Streckenenergie und Wärmeeinbringen
nach EN 1011-2, Anhang D
Grundlagen und Formeln
Die Abkühlzeit t8/5 ist die Zeit, die eine Schweißraupe und ihre Wärmeeinflusszone beim Abkühlen von 800 °C auf 500 °C brauchen. Sie bestimmt maßgeblich die mechanischen Eigenschaften der Verbindung. Dieser Rechner setzt das Verfahren nach EN 1011-2, Anhang D um.
Die beiden Größen
Die Streckenenergie E ist die zugeführte Energie je Längeneinheit. Das Wärmeeinbringen Q ist der Anteil davon, der tatsächlich ins Werkstück gelangt: Q = η · E. Da η ≤ 1 ist, gilt immer Q ≤ E. Für die Abkühlzeit maßgeblich ist Q.
Formeln
Dreidimensionale Wärmeableitung (dickes Blech)
t8/5 = (6700 − 5 T0) · Q · [ 1/(500−T0) − 1/(800−T0) ] · F3Zweidimensionale Wärmeableitung (dünnes Blech)
t8/5 = (4300 − 4,3 T0) · 105 · (Q/d)2 · [ (1/(500−T0))2 − (1/(800−T0))2 ] · F2Übergangsblechdicke — Unterhalb dieser Dicke gilt der zweidimensionale, oberhalb der dreidimensionale Fall. Der Rechner wählt selbst.
dü = √( (4300−4,3 T0) · 105/(6700−5 T0) · Q · [ 1/(500−T0) + 1/(800−T0) ] )Thermische Wirkungsgrade
Nach EN 1011-1:2009, Tabelle 1.
| Verfahren | η |
|---|---|
| Unterpulverschweißen UP (12) | 1,00 |
| Lichtbogenhandschweißen mit Stabelektrode E (111) | 0,80 |
| Metall-Aktivgasschweißen (MAG) MAG (135) | 0,80 |
| Metall-Inertgasschweißen (MIG) MIG (131) | 0,80 |
| Wolfram-Inertgasschweißen (WIG) WIG (141) | 0,60 |
Nahtfaktoren
F2 gilt bei zweidimensionaler, F3 bei dreidimensionaler Wärmeableitung. Wo die Norm einen Bereich angibt, rechnet dieser Rechner mit der Untergrenze — das ergibt die höhere geforderte Energie. Die gesamte Spanne wird beim Ergebnis mit ausgewiesen.
| Nahtart | F2 | F3 | Quelle |
|---|---|---|---|
| Auftragraupe | 1,00 | 1,00 | EN 1011-2 |
| 1. und 2. Kehlnaht am T- oder Kreuzstoß | 0,45–0,67 | 0,67 | EN 1011-2 |
| 3. und 4. Kehlnaht am Kreuzstoß | 0,30–0,67 | 0,67 | übernommen |
| Kehlnaht am Eckstoß | 0,90–0,67 | 0,67 | EN 1011-2 |
| Kehlnaht am Überlappstoß | 0,70 | 0,67 | übernommen |
| Wurzellage von V-Nähten | 1,00 | 1,00–1,20 | übernommen |
| Wurzellage von Doppel-V-Nähten | 0,70 | 0,70 | übernommen |
| Mittellagen von V- und Doppel-V-Nähten | 0,90 | 0,90 | EN 1011-2 |
| Decklage von V- und Doppel-V-Nähten | 0,90 | 0,90 | EN 1011-2 |
| I-Naht, 'Lage-Gegenlage-Schweißung' | 1,00 | 1,00 | übernommen |
Grenzen des Verfahrens
- Das Konzept gilt für Stöße mit gleichen Blechdicken. Bei ungleichen Dicken liefert es nur einen Anhaltswert.
- Die Abkühlzeit ist ein Fenster, keine Untergrenze: zu schnelle Abkühlung härtet auf, zu langsame kostet Zähigkeit. Für Füll- und Decklagen un- und niedriglegierter Stähle nennt EN 1011-2 üblicherweise 10 bis 25 s.
- Die Rechnung ersetzt keine Verfahrensprüfung.
Quellen
- EN 1011-2:2001+A1:2003, Anhang D
- EN 1011-1:2009, Tabelle 1
- ISO/TR 18491:2015





